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Daten, Fakten, Hintergründe

Seelische Erkrankungen

"Der Barmer Gesundheitsreport belegt einen beunruhigenden Zuwachs psychischer Erkrankungen, gerade bei jüngeren Arbeitnehmern. Zwar halten Erkrankungen des Muskel- und Skelettsystems den Spitzenplatz. Auf dem zweiten Platz folgen jedoch bereits psychische und Verhaltensstörungen. Depressive Episoden sind hier mit 27,2 Prozent die häufigste Einzeldiagnose. Mit 23,2 Prozent stehen an zweiter Stelle Reaktionen auf schwere Belastungen und Anpassungsstörungen."

Quelle: Eva Hakes, "Balance bewahren", Berliner Zeitung, 30.04./01./02.05.2010, Beilage "Karriere", Seite S1

Warnsignale vor einer psychischen Krise

Die ersten Alarmzeichen sind oft harmlos, unterscheiden sich kaum von normalen Erschöpfungssymptomen. Schlafstörungen, Tinnitus und Hörsturz sind ernste Warnsignale. Eine Auswahl häufiger Symptome:

  • quälende, ergebnislose Grübeleien
  • Zerstreutheit, Flüchtigkeitsfehler nehmen zu
  • Konzentration auf eine Sache wird unmöglich
  • Vergesslichkeit, Aussetzer im Kurzzeitgedächtnis
  • Gegenstände werden verlegt
  • gefühlte Zeitnot und Gehetztheit, chronische Unruhe, sichtbare Nervosität
  • Kontakt zu anderen Menschen wird gemieden
  • anhaltende Schlafstörungen
  • Schwierigkeit, anderen zuzuhören
  • verringerte Gefühlskontrolle, Wutausbrüche bei kleinstem Anlass, Weinattacken
  • starre Mimik
  • mehr Fehlzeiten wegen banaler Erkrankungen (Erkältung oder ähnlichem)
  • häufige Kopfschmerzen, Migräne
  • Schwindel
  • Schmerzen aller Art ohne klare körperliche Ursache
  • Tinnitus, Hörsturz

Quelle: Zusammenstellung von Kolja Rudzio und Wolfgang Uchatius in "Arbeiten, bis der Arzt kommt", Die Zeit, 08.07.2010

Mobbing

"Bei Mobbingopfern sinkt die Arbeitsleistung. Im schlimmsten Fall droht sogar Arbeitsausfall: Mehr als 43 Prozent erkranken, die Hälfte von ihnen länger als sechs Wochen. Bereits zehn Prozent aller Krankschreibungen gehen heute auf psychische und Verhaltensstörungen zurück, die eine Folge von Mobbing sein können. Das unsoziale Verhalten schadet letztlich auch dem Betrieb. Bundesweit zieht es einen Produktionsausfall in Höhe von 3,8 Milliarden Euro nach sich. [...] Die Initiative Neue Qualität in der Arbeit (INQA) hat ermittelt: Elf Prozent der Beschäftigten in Deutschland sind bereits einmal gemobbt worden. [...] Mobber üben Druck auf ihre Opfer aus und stellen deren Leistungsfähigkeit oder Persönlichkeit infrage. Der DGB geht von 1,5 Millionen Betroffenen aus."

Quelle: Michael Sudahl, "Intrigen im Job", Berliner Zeitung, 30./31.01.2010, Beilage Karriere, Seite S1

Boreout – Unterforderung und innere Emigration

"Eine Studie des Gallup-Instituts belegt, dass die Motivation deutscher Arbeitnehmer seit Beginn der Erhebungen im Jahr 2001 unverändert niedrig ist. Nur 11 Prozent der Beschäftigten weisen eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber auf. 66 Prozent identifizieren sich dagegen nur wenig mit dem Unternehmen und machen lediglich Dienst nach Vorschrift. 23 Prozent der Arbeitnehmer haben innerlich sogar bereits gekündigt. Die volkswirtschaftlichen Einbußen, die diese Resignation am Arbeitsplatz mit sich bringt, belaufen sich laut einer Studie des Gallup-Instituts auf Beträge zwischen 92,3 Milliarden und 121,5 Milliarden Euro."

Quelle: Eva Hakes, "Langeweile macht krank", Berliner Zeitung, 14./15.08.2010, Beilage "Karriere", Seite S1

Frühverrentung

Psychische Erkrankungen sind heute die häufigste Ursache für Frühverrentung: 2009 erfolgten 37,7 Prozent aller Frühverrentungen aufgrund seelischer Erkrankungen.

Quelle: nach Kolja Rudzio und Wolfgang Uchatius, "Arbeiten, bis der Arzt kommt", Die Zeit, 08.07.2010

Work-Life-Balance

"Wer die Bereiche Arbeit und Leistung, Familie und Freunde sowie Körper und Gesundheit in ausgewogener Weise in seinen Alltag integrieren kann, ist leistungsfähiger und kreativer, während ein Ungleichgewicht zu körperlichen, psychosomatischen oder psychischen Beschwerden führt. Die so entstehenden Fehlzeiten oder gar der komplette Verlust hochqualifizierter Mitarbeiter mit fundierten Kenntnissen wiederum sorgt bei den Firmen für finanzielle Einbußen. [...] Von einer 'intelligenten Verzahnung von Arbeits- und Privatleben' profitieren auch die Unternehmen, heißt es in einer Studie des Bundesfamilienministeriums (BMFSFJ). Mehr noch: Die Grundthese der Untersuchung mit dem bezeichnenden Titel 'Work-Life-Balance. Motor für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Stabilität' ist: Die ausgeglichene Work-Life-Balance der Beschäftigten schlage letztlich auch auf gesamtgesellschaftlicher und volkswirtschaftlicher Ebene positiv zu Buche."

Quelle: Eva Hakes, "Balance bewahren", Berliner Zeitung, 30.04./01./02.05.2010, Beilage "Karriere", Seite S1. Die zitierte Studie des Bundesfamilienministeriums kann unter
http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/publikationen.html abgerufen werden.

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